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    Für guten Zweck

    Geschafft: Medizinstudentin aus Ganacker radelte 333 Kilometer an einem Tag

    2026 06 26 Amelie 333   Zielgerade

    Amelie nach 333 Kilometern auf der Zielgeraden in Ganacker. Foto: Hans Diewald

     

    333 Kilometer gegen den inneren Schweinehund ist Amelie Hiergeist am Samstag mit dem Fahrrad gefahren. Mit welcher Motivation die Medizinstudentin die Extrem-Distanz bewältigte und was die größte Herausforderung war.


    Wenn der Wecker mitten in der Nacht um drei Uhr morgens klingelt und die Beine schon vor dem ersten Tritt in die Pedale wissen, welche Belastung ihnen bevorsteht, gehört eine gehörige Portion Willenskraft dazu, überhaupt aufzusteigen. Amelie Hiergeist hat es getan. Die Medizinstudentin aus Ganacker hat am vergangenen Samstag ihre angekündigte, logistisch wie körperlich anspruchsvolle Solofahrt im Rahmen der Aktion „Tour de Herz Unsupported“ in die Tat umgesetzt. Nach 334,40 Kilometern im Sattel kam sie erschöpft, aber glücklich am Ziel an. Im Gepäck hatte sie nicht nur die Erfahrung einer mentalen und körperlichen Achterbahnfahrt, sondern auch ein herausragendes Ergebnis für den guten Zweck: insgesamt wurden 1.575 Euro für den Verein „Herz bewegt“ gesammelt, um lebensrettende Herzoperationen für schwerkranke Kinder in Entwicklungsländern zu finanzieren.

     

    Mit vollem Elan ging es immer weiter der Heimat entgegen. Foto: Hans Diewald

     

    Dass das Vorhaben kein Selbstläufer werden würde, war der angehenden Medizinerin an der LMU München von vornherein bewusst. Immerhin bedeutete die gewählte Distanz mehr als eine Verdoppelung ihrer bisherigen persönlichen Bestleistung auf dem Rennrad. Die Realität auf der Straße hielt dann jedoch noch einige zusätzliche, unvorhersehbare Hürden bereit, die der Fahrerin alles abverlangten. Das Format „Unsupported“ bedeutete schließlich absolute
    Eigenverantwortung - kein Begleitfahrzeug reichte frische Trinkflaschen, keine schützende Gruppe bot Windschatten.


    Hitze als eine der größten Herausforderungen


    „Größte Herausforderung waren die Hitze, der Gegenwind flussaufwärts an der Donau und einige Baustellen und Umleitungen“, bilanzierte Amelie Hiergeist nach ihrer Rückkehr. Die Kombination aus den hohen sommerlichen Temperaturen und der permanenten Luftbarriere auf den langen Flachstücken ging spürbar an die Substanz. Zwischenzeitlich geriet das Projekt dadurch sogar auf Messers Schneide. „Körperlich hatte ich zeitweise mit dem Kreislauf zu kämpfen“, gesteht die Studentin offen. Ein Abbruch oder langes Pausieren kam für sie trotz der körperlichen Warnsignale jedoch nicht infrage: „Aber Aufgeben war nie eine Option.“

     

    2026 06 26 Amelie 333   Zielgerade
    Pausen gab es wenige für Amelie, aber die waren wichtig. Foto: Amelie Hiergeist

     
    Momente der unverhofften Gemeinschaft auf der Tour

    Gestartet war die extreme Solofahrt pünktlich um 4 Uhr morgens in der Landeshauptstadt München, als die Straßen noch weitgehend leer und die Temperaturen angenehm kühl waren. Auf den langen, einsamen Kilometern quer durch die niederbayerische Heimat gab es jedoch Momente der unverhofften Gemeinschaft, die der Sportlerin genau im richtigen Augenblick neuen Auftrieb gaben. Ein besonderes Highlight wartete dabei auf den vertrauten Straßen der Region. „Besonders gefreut habe ich mich über die Unterstützung unterwegs“, erzählte Hiergeist sichtlich dankbar. „Nachdem ich um 4 in München gestartet war, durfte ich ab dem Franz-Eberhofer-Kreisel in Frontenhausen ein Stück mit zwei Fahrern des RSV Dingolfing im Windschatten fahren, bis es alleine Richtung Vilshofen über die Donau weiterging.“ Diese unerwartete Begleitung bot nicht nur eine kurze körperliche Entlastung, sondern war vor allem ein mentaler Motivator für den weiteren Weg. Die entscheidende motivationale Wende für das Finale folgte rund um die Donauquerung und die letzten Kilometer, als die Beine nach vielen Stunden im Sattel immer schwerer wurden. In Straßkirchen wurde die Fahrerin schließlich vom heimischen Support-Netzwerk empfangen. „Später haben mich Freunde in Straßkirchen angefeuert, da waren es nur noch 30 Kilometer zum Ziel. Das hat nochmal zusätzliche Motivation gegeben“, erinnert sich die Ganackerin an die emotionale Schlussphase. „Außerdem wusste ich, dass ich im Ziel von Freunden und Familie erwartet wurde.“

     

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    Fast geschafft. Foto: Hans Diewald

     
    Das ursprüngliche Spendenziel übertroffen

    Neben dem sportlichen Ehrgeiz trieb vor allem die Gewissheit, etwas Reales zu bewegen, die Studentin an. Ursprünglich hatte sich Amelie Hiergeist ein Spendenziel von soliden 1.000 Euro gesetzt. Das Besondere an dieser Fahrt: Dieses gesteckte finanzielle Ziel war im Gegensatz zu anderen Spendenläufen nicht erst das Ergebnis der Tour, sondern stand bereits vor dem Einklicken in die Pedale offiziell fest. Die Gewissheit, dass die Zielsumme im Grunde schon auf dem Papier gesichert war, veränderte die Psychologie der gesamten Fahrt massiv. Es war der entscheidende Faktor, der den Druck aus dem Vorhaben nahm und in puren Fokus umwandelte. „Ein wichtiger Moment war, als ich gesehen habe, dass das Spendenziel bereits erreicht war“, erklärt Amelie Hiergeist rückblickend. Der Gedanke an die Hilfe für die Kinder in Bolivien, Indien oder Honduras wurde so zum verlässlichen Treibstoff für die verbleibende Strecke. „Ab diesem Zeitpunkt ging es nur noch darum, die 333 Kilometer nach Hause zu bringen.“


    Mitarbeiter der Gemeinde Pilsting spendeten auch.

    Die Mitarbeiter von Rathaus, Bauhof und Kindergärten waren überzeugt, legten zusammen und spendeten zusätzlich 300 Euro. Geschäftsleiter Christoph Hofmeister (v. l.), Ingrid Werner und Claudia Fuchs, Amelie Hiergeist und Bürgermeister Martin Hiergeist mit Kämmerin Katrin Schinharl. Foto: Sabrina 

     
    Die Mitarbeiter von Rathaus, Bauhof und Kindergärten waren überzeugt, legten zusammen und spendeten zusätzlich 300 Euro. Geschäftsleiter Christoph Hofmeister (v. l.), Ingrid Werner und Claudia Fuchs, Amelie Hiergeist und Bürgermeister Martin Hiergeist mit Kämmerin Katrin Schinharl.

    Am Ende kletterte der Zähler auf stolze 1.275 Euro - und eine weitere Finanzspritze gab es dann am Donnerstag: Die Mitarbeiter der Gemeinde Pilsting steuerten zusätzlich noch einmal 300 Euro für die Aktion bei und zeigten sich bei der Übergabe begeistert von der Aktion. Nach diesem
    kräftezehrenden, aber rundum erfolgreichen Tag ist es der jungen Frau ein großes Anliegen, ein persönliches Fazit zu ziehen. „Ein großes Dankeschön geht an alle Spender, an die Unterstützer entlang der Strecke sowie an die Fahrer des RSV Dingolfing, die mich ein Stück begleitet haben und im Vorhinein wertvolle Tipps gegeben haben“, betont Amelie Hiergeist sichtlich bewegt von der großen Anteilnahme in der Region. Die Solidarität und der Zuspruch aus der Heimat waren für sie der entscheidende Rückhalt, um die schier endlose Distanz im Sattel durchzustehen. Rückblickend zieht die Medizinstudentin dankbar Bilanz: „Diese Unterstützung hat mich durch den Tag getragen und zusätzlich motiviert.“


    Bericht von Sabrina Melissa Melis